Artikel

Praxisdefizit ade: Nach der Vorlesung geht es zum Kunden15. September 2014

BONN. In den gesellschaftspolitischen Diskussionen zur sogenannten „Generation Y“ und den Studienbedingungen an deutschen Hochschulen ist häufig die Rede von der fehlenden Praxisorientierung von Studiengängen. Um den Praxisanteil während der Studienzeit deutlich zu erhöhen, empfiehlt der Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU), sich in der Studentischen Beratung zu engagieren. Unter dem Leitgedanken „Studenten beraten Unternehmen“ sammeln angehende Akademiker parallel zum Studium praktische Erfahrungen durch Projekt- und Vereinsarbeit. Hierbei setzen sie Theoriewissen praktisch um, üben professionelles Auftreten im Geschäftskontext und schärfen Schlüsselkompetenzen, wie eigenständiges Arbeiten, Teamgeist oder Zeit- und Selbstmanagement.

Eine jüngst veröffentlichte repräsentative Onlinebefragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hat das häufig beklagte Praxisdefizit des Hochschulstudiums bestätigt: Lediglich rund 38 Prozent der Studenten fühlen sich ausreichend vorbereitet auf den Einstieg in das Berufsleben. Laut dieser Umfrage bemängeln Studenten vor allem ein zu geringes Angebot von Lehrveranstaltungen, in denen Praxiswissen vermittelt wird. Eine Brücke zwischen Lehrbuchtheorie und praktischer Anwendung im beruflichen Kontext schlägt die Idee der Studentischen Beratung.

Rund 80 Studentische Beratungen gibt es inzwischen in Deutschland. 31 von ihnen sind Mitgliedsinitiativen des BDSU. Diese erarbeiten eigenverantwortlich Lösungsansätze für unternehmerische Fragen ihrer Kunden, etwa in Projekten zur Optimierung von Geschäftsprozessen oder zur Konzeption einer Marketingkampagne. „Unabhängig von der Studien- und Fachrichtung oder eines speziellen Berufswunsches können Studenten dabei viel lernen: Sie bauen ihre fachlichen Kompetenzen aus, schnuppern in unterschiedliche Fachbereiche hinein oder entdecken ungeahnte Talente“, sagt der 1. Vorsitzende des BDSU, Florian Lorenzen. Auftraggeber der Projekte sind regionale mittelständische Betriebe. Doch auch Start-up-Unternehmen und Konzerne lassen sich von den motivierten Studenten beraten.

In welchem Umfang und zeitlichen Rahmen die übernommenen Aufgaben bearbeitet werden, entscheiden die Studenten selbst. Dadurch ließe sich die Beratertätigkeit sehr gut in den individuellen Stundenplan integrieren, unterstreicht Lorenzen. Außerdem übernehmen die Mitglieder Verantwortung in einer Vorstands- oder Ressorttätigkeit und kümmern sich um die Vereinsverwaltung. So sorgen die Nachwuchsberater auch eigenverantwortlich für die Weiterbildung und den Erfahrungsaustausch untereinander. Sie organisieren Schulungen, Vorträge und Workshops, in denen das Handwerkszeug für die Projektarbeit vermittelt wird. Als Ausrichter von Firmenkontaktmessen oder bei offenen Workshops geben die Mitglieder ihr Erfahrungswissen auch an alle anderen Studenten der Hochschule weiter.

Neben der Praxisausbildung sind die Möglichkeiten, das persönliche Netzwerk zu erweitern und Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen, häufig entscheidende Beweggründe für ein Engagement in der Studentischen Beratung. Nicht selten ergibt sich aus dem Kunden-Kontakt ein Angebot für ein Praktikum, eine Werksstudententätigkeit oder eine praxis-orientierte Abschlussarbeit.

Frankreich ist die Wiege der Studentischen Beratung. Mitte der sechziger Jahre gründeten sich dort die ersten „Junior Entreprises“ (JE). Bis heute sind zirka 300 Studentische Unternehmensberatungen in Europa entstanden.



Vorstellungsfilm

Vorstellunsvideo - BDSU e.V.

BDSU-Land