Artikel

Berater frisch vom Campus28. Juli 2011

Sind das nur Grünschnäbel, oder können die wirklich schon was? Studentische Unternehmensberater genießen in der Wirtschaftswelt einen guten Ruf, Kunden schätzen gerade ihren frischen Blick. Manche „Campus-Consultants“ erhalten tausend Euro Tagessatz. Aber die Aufnahmetests sind hart.

Alexander, Daniel, Jonathan, Thomas und Thomas, alle Studenten der TU Berlin, saßen abends beim Bier zusammen und dachten darüber nach, welche Kurse sie im nächsten Semester belegen sollten. Was tun? So viele Themen, so viele Dozenten, so viele Möglichkeiten, einen Flop zu landen. Etwa weil der Prof pädagogisch eine Null ist, man in seinen Vorlesungen einschläft oder er furchtbar hohe Ansprüche hat.

Am ärgerlichsten fanden die fünf, dass bereits Tausende Kommilitonen vor ihnen diese Erfahrungen – positive wie negative – gemacht hatten und locker hätten weitergeben können. Es fehlte nur ein Instrument, das Wissen anzuzapfen. So wurde 2005 die Idee zu MeinProf.de geboren, ein Bewertungsportal für Lehrveranstaltungen an mittlerweile rund 500 deutschen Hochschulen.

Für Company Consulting Team, eine studentische Unternehmensberatung aus Berlin, war die Online-Plattform das bislang spektakulärste interne Projekt.

Schon 1993 hatten sieben angehende Wirtschaftsingenieure der TU Berlin die studentische Beratung gegründet. Seitdem betreuen wechselnde Teams nicht nur eigene, sondern auch zahlreiche Projekte für Kunden: Mal entwickeln sie ein Geschäftskonzept für eine Szene-Bar, mal optimieren sie die Prozesse eines Online-Shops für Brillen. Oder zeigen einer Managementberatung – einer „richtigen“, jedenfalls einer richtig großen -, wie sich ihr Hochschulmarketing verbessern ließe.

Die Profis haben Respekt

Die ersten studentischen Unternehmensberatungen entstanden Mitte der sechziger Jahre in Frankreich. Andere Länder zogen nach, in den achtziger Jahren kam die Idee nach Deutschland. Mehr als 300 „Junior Enterprises“ gibt es heute europaweit, schätzt der Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU). Über 80 sind es in Deutschland und beraten sls eingetragene Vereine Kunden aus allen Branchen.

Viele decken ein umfangreiches Spektrum ab – von Gründungsberatung über Prozessoptimierung, IT, Logistik, Marketing und Vertrieb bis hin zu Human Resources. Damit sind sie breiter aufgestellt als manche „erwachsene“ Beratung. Auch was Größe betrifft, brauchen die Youngster den Vergleich nicht zu scheuen. GalileiConsult in Heidelberg, ConsultOne in Braunschweig oder Consulting Team in Göttingen haben jeweils mehr als 100 Berater.

Profis wie Markus Thomas Schweizer, Managing Partner bei Ernst & Young in Stuttgart, zollen dem Nachwuchs Respekt: „Mit 2300 Studenten, die im BDSU zusammengefasst sind, sind die studentischen Unternehmensberatungen in Deutschland insgesamt ein ernstzunehmender Player im Consulting-Markt.“ Sie hätten durch klare Aufnahmekriterien, Trainingsprogramme und ein großes Qualitätsbewusstsein bei den Kunden Glaubwürdigkeit erworben, lobt Schweizer.

Es gibt kaum eine lukrativeren Job für Studenten

Darauf legen die Junior-Berater in der Tat großen Wert – nichts bringt sie mehr auf die Palme als das Klischee von der Spielwiese oder Trockenschwimmübung. So verleiht der BDSU ein Qualitätssiegel; dafür müssen die Beratungen jedes Jahr mindestens ein eintägiges Audit – eine Qualitätsprüfung – durchlaufen. Geprüft wird die Aus- und Weiterbildung für Mitglieder, die Professionalität der Projektarbeit, das interne Wissensmanagement oder die Vereinsführung. Die Kunden sollen möglichst so gut bedient werden wie bei McKinsey und Co. – nur eben preiswerter.

Billig sind die Studenten allerdings nicht. Laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater liegt bereits der Tagessatz eines Juniorberaters bei tausend Euro – zum Vergleich: Ein Seniorberater rechnet zwischen 1500 und 2000 Euro ab. Der größte Teil des Honorars kommt bei den Consultants selber an, eine einträgliche Alternative zum Kellnern.

Wenn Unternehmen sich für eine Uni-Beratung entscheiden, gibt aber selten der Preis den Ausschlag. Vor allem schätzen sie die Nähe zur Wissenschaft, den unverbrauchten Elan der Berater, die oft originellen Lösungsansätze. Bei manchem Manager wecken die 20- bis 25-Jährigen auch väterliche Gefühle. Trotzdem würden sie den Youngstern wohl eher kein Projekt anvertrauen, bei dem es um die Existenz ihres Unternehmens geht.

„Studentische Beratungen sollten nicht als direkte Konkurrenz zu erwachsenen Beratungen betrachtet werden“, findet Radoslaw Rangelow, Berater bei Homburg & Partner in Mannheim und BDSU-Alumnus. „Sie stellen vielmehr eine Ergänzung für spezifische Anforderungen oder auch für kleine Unternehmen dar.“ Man könne daher auch nicht davon sprechen, dass studentische Unternehmensberatungen die Preise verderben.

Harte Aufnahmekriterien plus Probezeit

Mitmachen kann nicht jeder. Um neben dem Studium ins Consulting zu schnuppern, müssen Interessenten einen mehrstufigen Auswahl- und Qualifizierungsprozess durchmachen. So verlangt GalileiConsult eine klassische Bewerbung mit Motivationsschreiben und Lebenslauf. Wer auf dem Papier überzeugt, wird zum Assessment Center eingeladen. Dort bearbeiten und präsentieren die Studenten in Kleingruppen eine Fallstudie; zwei Vereinsmitglieder führen mit den Bewerbern Einzelgespräche.

Stimmt alles, dürfen die Neuen – zunächst auf Probe – in den Verein eintreten. Die Studenten bearbeiten sogenannte Anwärterprojekte, die externe Projekte simulieren. Nach erfolgreichem Abschluss und aktiver Mitarbeit steigen sie schließlich zum Mitglied auf.

Lohn der Mühe ist außer den Verdienstchancen und der Weiterbildung in erster Linie die Praxiserfahrung. „Die Tätigkeit in einer studentischen Unternehmensberatung ermöglicht die Weiterentwicklung wesentlicher Methoden- und Fachkompetenzen, die für den späteren Einstieg ins Berufsleben in vielen Branchen wesentlich sind“, sagt Michael Müller, Chef von MBtech Consulting in Sindelfingen, einer zu Mercedes-Benz gehörenden Beratung.

Kein Job, der nur den Lebenslauf schönt – es wird geschuftet

Auch Sania Alexander de Miroschedji, Leiter der Volkswagen Consulting in Wolfsburg, sieht solche Vorerfahrungen gern. „Allerdings müssen alle Bewerber durch unseren Auswahlprozess“, betont er.

Der Nutzen für die Karriere ist unstrittig, ebenso der Stress, den der Nebenjob bereitet. Studentische Unternehmensberatungen wissen, dass ihnen ihre Mitstreiter nur kurze Zeit – längstens bis zum Examen – erhalten bleiben. Deshalb verlangen sie vollen Einsatz, auch in internen, unbezahlten Projekten. Wer bloß mitläuft, um ein Glanzlicht im Lebenslauf zu setzen, wird seltener auf echte Kunden losgelassen.

Deshalb sollten Interessenten vor allem eines mitbringen: Spaß an der Sache. So wie das Team von JMS Augsburg, das für Löwenbräu Hellas den griechischen Biermarkt sondierte, Modelle zur Kostenplanung entwickelte und einen Dreijahresplan aufstellte. 60 Stunden pro Woche schufteten die Berater, berichtet ein Mitglied von JMS. Unvergesslich aber seien für alle Vereinsmitglieder „der schöne Blick aufs Meer, das gute griechische Essen und der wohl anstrengendste Aufenthalt in Griechenland“, den sie jemals hatten.

 

Quelle: Spiegel Online, 28.07.2011
http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/0,1518,776780,00.html



Vorstellungsfilm

Vorstellunsvideo - BDSU e.V.

BDSU-Land